Ketamin

Vor etwa drei Jahren meldete eine große deutsche Zeitung, dass Ketamin, bekannt als Schmerzmittel, zur neuen “Partydroge” in Europa avanciert sei. Eine eiligst, von der deutschen Drogenfahndung, bei den Zollfahndern und der Rauschgiftabteilung von Europol angeforderte Studie, konnten diese Meldung nicht bestätigen. Heute allerdings weiß man, dass tatsächlich ein weitverbreiteter Missbrauch dieses Medikaments besteht.

In den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde Ketamin das erste Mal synthetisch hergestellt. Seit dem dient es in der Humanmedizin, insbesondere der Notfallmedizin, ausgeschlossen bei Unfallopfern mit Schädel-Hirn-Trauma sowie bei der Behandlung von Tieren als Narkosemittel. Dabei wird die Eigenschaft, Schmerzen stark zu lindern und tiefe Bewusstlosigkeit hervor zu rufen, ausgenutzt. Leider ist der Einsatz dieses Narkotikums für den Patienten mitunter sehr unangenehm, da Nebenwirkungen wie Halluzinationen, Wahnvorstellungen und Verwirrung auftreten können. Die Darreichungen von Valiumpräparaten können aber wesentlich zur Dämpfung dieser Nebenwirkungen beitragen.
Auch bei Patienten mit Herz-Kreislaufproblemen oder Bluthochdruck sollte der behandelnde Arzt auf den Einsatz von Ketamin verzichten.

Wie bereits anfänglich erwähnt, gab die halluzinierende Wirkung von Ketamin den Ausschlag in der Party- und Technoszene als “K” Eingang zu finden. Dabei ist die Verabreichung genau so vielfältig wie deren Wirkung. Ob durch die Nase gezogen, als Flüssigkeit oder Tablette, als Kristalle geraucht, oder in selteneren Fällen gespritzt, der erhoffte Effekt tritt in jedem Fall innerhalb kurzer Zeit ein. Aber, egal welche Konsumform verwendet wurde, es ist immer ein Spiel mit der Gesundheit und dem Leben und daher insgesamt abzulehnen.

Hat man die Droge erst einmal genommen, werden im darauf folgenden Rausch starke Halluzinationen hervorgerufen, die den Berichten von todnahen Erlebnissen gleichen. Der Betroffene hat das Gefühl des Loslösens vom Körper und das dabei entstehende Feeling der absoluten Leichtigkeit, lässt die Kontrolle über die Bewegungen auf ein Minimum sinken und die Gefahr von Unfällen oder Verletzungen steigt aufgrund der verringerten und fast ausgeschalteten Schmerzempfindung. Neben diesen körperlichen Erfahrungen verändert sich auch die Sinneswahrnehmung, sodass Geschmack und Geruch stark gemindert sind oder sogar gar nicht mehr funktionieren. Die Musik wird nur noch als verzerrte Tonfolge wahrgenommen und die Farben der Umgebung erscheinen in unwirklicher Lebhaftigkeit. Unterhaltungen im Rausch sind nahezu unmöglich, da durch die unterdrückten Emotionen den Gesprächen geistig nicht mehr gefolgt werden kann, die Redelust gleich null ist und eine große Interessenlosigkeit gegenüber anderer eintreten kann.

Im Gegensatz zu LSD kommt es beim Konsum von Ketamin häufiger zu sehr beängstigenden und schwer zu kontrollierenden Zuständen. Schreckensvisionen, Angst und Panik treten in geballter Form auf und machen das Erleben zu einem Horrortrip. Durch diese Erlebnisse und dem regelmäßigen Gebrauch können schwere und langfristige psychische Probleme entstehen, die gepaart mit Blackouts und amnesieähnliche Erinnerungslücken das Leben schwer machen. Auch bei der Dosierung des Mittels kann es zu großen Problemen kommen, da mitunter eine leichte Überdosierung zu Atemlähmung und kollapsartigen Zuständen führen kann. Selbst wer nur eine geringe Dosis nimmt, kann, wenn er Pech hat, wochenlang unter Angstzuständen leiden. Aber es gibt noch weitaus mehr unangenehme Begleiterscheinungen nach dem Genuss von Ketamin. So können erhöhter Blutdruck und Übelkeit ebenso eintreten, wie epileptische Anfälle und Koma ähnliche Zustände. Auch Lähmungserscheinungen werden dem Konsumenten das Leben zur Hölle machen.

Nun kennt ja die Unvernunft mitunter keine Grenzen und es werden neben dem Ketamin noch Alkohol und Heroin sowie andere sinnesverändernde Substanzen genommen. Dieser sogenannte Mischkonsum kann zu schwersten gesundheitlichen Schäden führen. Ohnmachtsanfälle und Atemdepressionen bis hin zum Atemstillstand können die Folge sein und lebensbedrohliche Zustände herauf beschwören.

Generell wird gesagt, dass Ketamin keinerlei körperliche Abhängigkeit verursacht und der Proband jederzeit damit aufhören kann. Allerdings ist zu verzeichnen, dass einzelne Personen durchaus den Wunsch hegen, erneut “Ausflüge” in eine fraktale Traumwelt zu starten und es dadurch zu einem Gewöhnungsfaktor an diese Substanz kommen kann. Es sollte aber jedem, der diese Substanzen regelmäßig einnimmt, klar sein, dass es zu bedenklichen Folgen für das Gedächtnis kommen kann, dass Lernvorgänge und Wahrnehmung nachlassen und neurologische Unregelmäßigkeiten zur Tagesordnung werden.