Tetrahydrocannabinol THC

Tetrahydrocannabinol, kurz THC, gehört zur Gruppe der psychoaktiven Cannabinoide, die in Hanfpflanzen vorkommen. Es ist in den verschiedenen Pflanzenteilen in unterschiedlich hoher Konzentration enthalten. Den höchsten THC-Gehalt weisen die nicht befruchteten weiblichen Blütenstände auf. Auch die blütennahen Blätter enthalten relativ viel Tetrahydrocannabinol. In den übrigen Pflanzenteilen und in den männlichen Pflanzen ist der Gehalt deutlich geringer. Die Samen sind im Grunde THC-frei. Vor allem aufgrund der psychoaktiven Wirkung des THC ist THC-haltiger Hanf ein relativ weit verbreitetes, jedoch in Deutschland und den meisten anderen Staaten illegales Rauschmittel. Tetrahydrocannabinol kommt aber unter der Wirkstoffbezeichnung Dronabinol auch in legaler Form als Medikament zum Einsatz. Es wird vor allem bei der Behandlung von AIDS- und Krebspatienten zur Anwendung. Neben seiner entzündungshemmenden und schmerzstillenden Eigenschaften wirkt es appetitsteigernd wirkt sich bei Übelkeit, wie sie etwa in der Folge von Chemotherapien häufig auftritt, positiv aus. Auch zur Reduzierung von Muskelkrämpfen, etwa bei Multipler Sklerose oder in Folge von Querschnittslähmungen können THC-haltige Arzneimittel zum Einsatz kommen. Zudem wirkt es bei akuten Migräneanfällen und kann einen stimmungsaufhellenden Effekt haben.

In Deutschland kommen Arzeimittel mit dem Wirkstoff Dronabinol seit 1998 zum Einsatz, werden jedoch eher selten verschrieben. Verbreiteter ist wohl der (illegale) Konsum THC-haltiger Substanzen, um eine Rauschwirkung zu erzielen. Am häufigsten erfolgt der Konsum mit Haschisch oder Marihuana. Beides wird aus der Hanfpflanze, auch als Cannabispflanze bekannt, hergestellt. Als Haschisch bezeichnet man das aus den Harzdrüsen der Hanfpflanze gewonnene Harz, das einen recht hohen THC-Gehalt aufweist. Als Marihuana werden die getrockneten weiblichen Blütenstände und Blätter der Pflanze bezeichnet. Eine sehr häufige Konsumform ist das Rauchen, entweder pur oder mit Tabak vermischt. Haschisch oder Marihuana kann aber auch in Speisen und Getränke einbebracht und auf diese Weise konsumiert werden.

Auf welche Weise Tetrahydrocannabinol genau wirkt, ist noch nicht vollständig erforscht. Es kann auf den Konsumenten aber eine Vielzahl von Effekten haben, von denen einige therapeutisch nutzbar sind, andere aber auch eine gegenteilige Wirkung haben.

Für die Konsumenten von THC als Rauschmittel steht in erster Linie das Gefühl des „High-Seins“ im Vordergrund. Die Stimmung hellt sich auf und die Wahrnehmung verändert sich. So werden beispielsweise Zeitabläufe oder auch Geräusche und Farben anders empfunden als sonst. Eine erhöhte Redseligkeit kann auftreten, aber auch ein verstärktes in sich gekehrt Sein. Bekannt sind THC-haltige Rauschmittel für das Hervorrufen von Lachanfällen, aber auch dafür, eine Neigung zum Philosophieren zu verursachen.

Therapeutisch interessant ist Tetrahydrocannabinol einerseits wegen seiner schmerzstillenden, entkrampfenden und appetifördernden Eigenschaften. Letztgenannte äußern sich bei Haschisch- und Marihuanakonsumenten nicht selten in sogenannten „Fresskicks“, sind aber bei Schwerkranken natürlich oft wünschenswert. Des weiteren kann THC beispielsweise den Augeninnendruck senken, Übelkeit mindern und sogar die Ausbreitung von Krebszellen hemmen. In der Forschung hat THC auch bei der Bekämpfung sogenannter Tics bei Patienten mit Tourette-Syndrom vielversprechende Erfolge vorzuweisen. Tetrahydrocannabinol kann aber auch eine Reihe negativer Wirkungen haben. Es beeinträchtigt das Denk- und Konzentrationsvermögen und kann auch psychomotorische Störungen zur Folge haben. THC kann Auslöser von Psychosen sein oder vorhandene Psychosen verstärken und paranoide Zustände verursachen. Es kann Auswirkungen auf den Blutkreislauf haben. Häufiger auftretende und eher harmlose Nebenwirkungen sind Mundtrockenheit und Rötungen der Bindehaut.

Häufige Einnahme von Tetrahydrocannabinol führt zu einer Toleranz gegen den Wirkstoff, sodass sein Effekt im Laufe der Zeit vermindert. Diese Toleranz bildet sich jedoch nach einer Weile der Nichteinnahme wieder zurück. THC kann abhängig machen, die Abhängigkeit ist hinsichtlich ihrer Intensität jedoch nicht mit Abhängigkeiten beispielsweise von Alkohol, Nikotin oder Opiaten vergleichbar.

Da die Forschung zu Funktion und Wirkweisen von Tetrahydrocannabinol längst noch nicht abgeschlossen ist, ist auch noch nicht abgeklärt, in welchen medizinischen Anwendungsbereichen THC künftig zum Einsatz kommen wird.

Als natürliches Heilmittel blickt die Cannabispflanze jedoch schon auf eine lange Tradition zurück, die bis in die Frühgeschichte zurückreicht.