Kokain

Die weltweit verbreitete Rauschdroge Kokain ist ein sogenanntes Stimulans. Dazu gehören Stoffe, die eine Einwirkung auf den Organismus in anregender Form besitzen. Diese Anregung besteht meistens durch Erhöhung der Nervenaktivität oder des Blutdrucks. Chemisch betrachtet gehört Kokain zur Gruppe der Tropan-Alkaloide.

Kokain Line

Das weiße, kristallartige Pulver wird aus dem immergrünen Kokastrauch gewonnen, welcher in Südamerika heimisch ist. Dies geschieht mit Hilfe von chemischen Prozessen. Lange bevor es den ersten Chemikern gelang, den berauschenden Wirkstoff aus der Kokapflanze zu isolieren, wurde diese bereits im Jahr 1750 aus Südamerika nach Europa eingeschifft. Nach Bekanntwerden der anregenden Wirkung wurde Kokain bis zum Jahr 1906 in geringen Mengen dem Erfrischungsgetränk Coca-Cola beigemischt. Konzentrationen von etwa 250mg pro Liter waren hier üblich. Auch heutzutage befinden sich noch Bestandteile der Kokapflanze in Coca-Cola. Allerdings werden nur noch nichtalkoide Bestandteile verwendet.

Auf physiologischer Ebene entsteht die Wirkung des Kokains durch eine erhöhte Ausschüttung der Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin. Diese dienen der Reizweiterleitung im synaptischen Spalt, sind also dazu gedacht, einen Reiz von einer Nervenzelle auf die andere zu übertragen. Synapsen gibt es aber nicht nur zwischen zwei Nervenzellen sondern auch als Verbindungsstelle zwischen Nervenzellen und Drüsen- oder Muskelzellen. Kommt an einer Nervenzelle ein Reiz an, so werden Neurotransmitter in den synaptischen Spalt abgegeben. Auf der gegenüberliegenden Seite des synaptischen Spalts (also an der nächsten Nerven-, Drüsen-, oder Muskelzelle) befinden sich sogenannte Rezeptoren. Diese sind darauf ausgelegt, die Neurotransmitter zu empfangen und einen erneuten elektrischen Reiz in ihrer Zelle zu verursachen. Nach kurzer Zeit werden die Transmitterstoffe mit Hilfe von Enzymen wieder abgebaut und erneut in das Spaltköpfchen aufgenommen, wo sie wieder zur erneuten Reizübertragung vorbereitet werden. Die Reizübertragung über den synaptischen Spalt findet also nicht durch einen elektrischen Reiz, sondern durch chemische Botenstoffe statt. Aus diesem Grund können andere chemische Stoffe die Reizweiterleitung an dieser Stelle beeinflussen. Genau das geschieht bei der Einnahme von Kokain. Einerseits wird die Ausschüttung der Transmitterstoffe erhöht, so dass ankommende Reize verstärkt werden. Andererseits werden der Abbau und die Wiederaufnahme der Transmitterstoffe in das Spaltköpfchen verhindert. Dadurch entsteht ein dauerhafter Reiz an der Nervenzelle, welche die Transmitterstoffe durch Rezeptoren aufnimmt, der sogenannten postsynaptischen Nervenzelle. Dadurch entstehen bei hoher Dosierung Nervosität, Angstzustände oder paranoide Stimmungen auftreten. Des Weiteren wird durch das Vorhandensein von Kokain im Körper der Abbau von Adrenalin eingeschränkt, was einen Einfluss auf Blutdruck und Herzfrequenz hat. Durch einen erhöhten Adrenalinspiegel steigen Blutdruck und Herzfrequenz je nach Dosierung dramatisch an. Außerdem blockiert Kokain die Natriumkanäle der Nerven, was zu einer Störung des Schmerzempfindens sowie des Tastsinns führt. Daher kommen im Kokainrausch häufig sensorische Halluzinationen vor. Wegen dieser Herabsenkung des Schmerzempfindens wurde die Droge um 1884 in Deutschland auch als Mittel zur lokalen Anästhesie gebraucht.

In der Leber und den Nieren wird der Wirkstoff abgebaut. Nach dem Abklingen des Drogenrausches tritt eine Depression auf, welche der Hauptgrund für die hohe Abhängigkeitsgefahr ist. Um dieser Depression zu entfliehen wird erneut Kokain eingenommen, was den nächsten Rausch zur Folge hat. Die hauptsächlich gesuchte Wirkung und der Grund für die Einnahme sind Stimmungsaufheiterung, Euphorie und das Gefühl von gesteigerter Leistungsfähigkeit. Auch eine Dämpfung des Hungergefühls wird durch die Einnahme erreicht, was der Grund für einen hohen Kokainkonsum hungerleidenden Ländern ist.

Der Konsum von Kokain kann unter bestimmten Umständen auch noch Wochen nach der Einnahme durch eine Haarprobe nachgewiesen werden, da sich im Inneren der Haare gewisse Abbauprodukte ablagern. Durch den Einsatz zum Beispiel einiger Dauerwellenmittel kann es allerdings zu Beeinflussungen dieser Messwerte in beide Richtungen kommen, so dass diese Methode nicht hundertprozentig sicher ist.

Der Konsum von Kokain kann auf unterschiedliche Weise erfolgen. Am weitesten verbreitet ist die Methode der intranasalen Einnahme, bei der das Pulver durch ein Röhrchen oder ähnliches in die Nase eingesogen wird und dann durch die Nasenschleimhäute seinen Weg in den Körper findet. Darüber hinaus kann die Droge auch oral oder intravenös eingenommen werden.